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Essen auf Rädern… Roadkill oder road kills?

Tunnelblick. Der Motor brüllt, Turbolader heulen, um die Aussenspiegel zischt der Fahrtwind. Die Augen scannen vorbeirasende weisse Markierungslinien, in eine verwischte Linie geschmolzene Leitplanken und fremde Rückleuchten, die wie Ufos vorbeifliegen. Leicht schweissnasse Hände greifen das Alcantaralenkrad.

Für Hunger und Durst ist jetzt keine Zeit.

Ein Leben auf der Autobahn, die Verbindungslinie zwischen Terminen ist idealerweise trocken und frei von Urlaubsverkehr! Und ohne Unterbrechung.

Doch nun geht die Warnleuchte an. Nicht die des Fahrers. Das Fahrzeug warnt! Und zwar vor bevorstehendem Treibstoffmangel. Um einen Boxenstop führt nun kein Weg mehr herum. Auf deutschen Autobahnen sind die Oasen glücklicherweise in der Regel dicht gesät und bunt beleuchtet.

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Nachdem das flüssige Gold bis zum Rand in die Maschine gefüllt wurde, eilt der eilige Reisende zum Bezahlen in den Raum, der früher mal Kasse hieß, und heutzutage ein Gemischtwarenladen-Spielhölle-Souvenirshop-Konglomerat geworden ist. Um die Dauer der nächsten Tankfüllung durchzuhalten, muss auch der Fahrer Energie und Nahrung auftanken. Während er dem Verbrennungsmotor ein hochoktanhaltiges Wundermittel zugeführt hat, dessen Preis den für „normales“ Benzin weit übersteigt, und dem auf Plakaten die reinsten Zauberkräfte zugesprochen werden (mehr Kilometer, reinigt den Motor, stellt weisse Einhörner vor Regenbogenhintergrund an den Strassenrand,…) – während der Mechanik also beste Behandlung zuteil wurde – was bietet man dem organischen Piloten des Fahrzeugs an? Schokoladen in allen Darreichungsformen, Zucker in verschiedensten Aggregatszuständen, von simplen Limonaden bis zu derart konzentrierten Energydrinks, dass vor deren Konsum nicht nur Diskobesucher zeitweise gewarnt werden mussten, sondern dass sie in bestimmten Sportarten als Dopingmittel verboten sind.

Ist es nicht Zeit, dass wir uns selber genauso wertschätzen wie das geleaste Automobil? Dass wir zu einem Treibstoff greifen, der unseren Körper nicht nur am Leben erhält, sondern pflegt, reinigt und zu Höchstleistungen bringt…?

DAS brauchen wir: Ein Kühlregal mit der Aufschrift „M-POWER“. „M“ wie „Mensch“.